Engadiner Pfingstopen

Hochspannung am Engadiner Pfingstopen

Deutlich mehr Teilnehmer, umkämpfte Partien und gemütliche Spielbedingungen: Auch die vierte Ausgabe des Schachturniers in Celerina war ein Erfolg. Die Entscheidung um den Turniersieg wurde zu einer hauchdünnen Angelegenheit.

Pünktlich am Vorabend des Turnierbeginns traf die 30. Anmeldung bei den Organisatoren ein. Im Vergleich zu den früheren Jahren entspricht dies fast einer Teilnehmerverdoppelung. Offensichtlich hat sich das kleine Pfingstturnier im Celeriner Hotel „Zur alten Brauerei“ langsam herumgesprochen und etabliert. Mit dabei waren neben den einheimischen und nationalen Schachcracks auch von weiter her angereiste Spieler. Darunter die beiden ukrainischen Internationalen Meister Alexander Belezky (Startnummer 1) und Bogdan Borsos (3). Ebenfalls zum Favoritenkreis zählten Vjekoslav Vulevic aus Davos (2), der das Turnier 2008 schon einmal gewonnen hatte, sowie der 16-jährige Benedict Hasenohr (4).

Auf der Zielgerade gestoppt

Die vier Favoriten gaben sich in den ersten drei der fünf Runden kaum eine Blösse, grössere Überraschungen blieben aus. Die Entscheidungen mussten also in den Direktbegegnungen fallen. Dort kam es in der vorletzten Runde zum grossen Spitzenkampf der Nummern 1 und 2 zwischen Alexander Belezky und Vjekoslav Vulevic. Mit den weissen Figuren zeigte Vulevic eine starke Partie und gewann auf überzeugende Weise.

Damit lag Vulevic in der Schlussrunde mit einem ganzen Punkt vorne in der Rangliste, bereits ein Unentschieden genügte ihm also für den Turniersieg. Gegen die Startnummer drei, Bogdan Borsos, nahm Vulevic aber zuviel Risiko, überzog seine Stellung und wurde vom Ukrainer schonungslos bestraft.

In der Tabelle resultierte daraus die nicht alltägliche Situation, dass zum Schluss gleich fünf Spieler (!) mit je vier Punkten aus fünf Spielen gemeinsam an der Spitze standen. Im Schach entscheidet in solchen Fällen eine Zweitwertung mit den gesammelten Punkten der Gegner. Hier hatte Alexander Belezky schliesslich knapp vor Vulevic die Nase vorne und wurde Turniersieger. Das Podest komplettierte Benedict Hasenohr, der für den Schachclub Engadin in der Mannschaftsmeisterschaft in der NLB spielt.

Arquint bester Bündner

Die Engadiner konnten angesichts der Schar an starken Spitzenspielern erwartungsgemäss nicht um die ganz vorderen Ranglistenplätze mitkämpfen. Gute Leistungen zeigten aber unter anderem Andri Arquint aus Samnaun (Rang 6) und Felix Schwab aus S-chanf (Rang 9), die hinter Vulevic auch die bestklassierten Bündner waren. Positiv überrascht mit sehr soliden Partien und zäher Gegenwehr gegen  routiniertere Spieler haben auch die beiden jüngsten Teilnehmer, die Gebrüder Andri und Manuel Paganini aus St. Moritz. Der Titel „bester Senior“ ging an Lutz Müller aus Deutschland.

Ebenfalls nennenswert war die erstmalige Teilnahme einer Dame im Feld des Pfingstopens. Ruth Bühlmann von den Churer Senioren schlug sich in ihrem erstem Langpartienturnier tapfer, musste aber wie manch andere Spieler die Kehrseite eines solch starken Teilnehmerfelds zur Kenntnis nehmen.

Pfingstopen auch im 2011

Das von Toni Paganini und Roland Harth perfekt organisierte Schachturnier wurde von den Spielern durchwegs positiv beurteilt. Dazu beigetragen hat sicherlich die freundschaftliche Stimmung und das faire Verhalten aller Anwesenden, das zu keinem einzigen Streitfall geführt hat. Bereits wurde bekannt, dass das Engadiner Pfingstopen auch im nächsten Jahr vom 11. bis 13. Juni wieder durchgeführt wird. Mit hoffentlich wieder so viel Teilnehmenden, Spannung und Schach auf hohem Niveau.